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1. Informationen zur Geschichte der Plauener Spitze HIER
2. Informationen zum eingetragenen Markenzeichen Plauener Spitze HIER
3. Festvortrag von Gerd Naumann im Jahr 2007 zum Jubiläum - 150 Jahre 1. Stickmaschine in Plauen HIER
4. Informationen zu unserem Unternehmen finden Sie auf unserer HOMEPAGE

Impressionen aus dem Geschäftsbereich Mode

Plauen - Stadt der Spitze - Historie der Weltmarke

Geschichte der Plauener Spitze ®

Auf der Basis des bereits seit der frühen Neuzeit etablierten Tuchmacher- und Wollweberhandwerks entwickelte sich in Plauen ab 1800 zunächst die Handplattstich-Stickerei und wenige Jahrzehnte später die Tüll- und Ätzspitze (letztere auch Luftspitze, Vollspitze oder Guipure-Spitze genannt).

Im Jahr 1881 wurde in Plauen, im Zentrum der deutschen Spitzen- und Stickereiindustrie, die Tüllspitze von Anton Falke erfunden, welche zunächst auf Handstickmaschinen gefertigt wurde. Der Einzug der Schiffchenstickmaschinen ab 1883 ermöglichte sodann die Fertigung der Ätzspitze unter dem Namen ''Plauener Spitze''. Beide Stickereiarten sind durch die unternehmerische Leistung des Stickereifabrikanten Theodor Bickel eine Domäne Plauens geworden. Unter ''Dentelles de Saxe'', ''Saxon Lace'', ''Plauen Lace'' oder ''Dentelles de Plauen'' wurden die Erzeugnisse schnell auf den internationalen Märkten bekannt und geschätzt. Das Schweizer Marktmonopol war gebrochen.

Es folgten zahlreiche internationale Auszeichnungen, u.a. 1900 der Grand Prix auf der Weltausstellung in Paris. Durch die Spitzenfabrikation entwickelte sich Plauen schnell zu einer der großen Städte in Sachsen.


Bis heute bildet Plauen mit dem umliegenden Vogtland das Zentrum der deutschen Stickereiindustrie, welche die Stadtentwicklung ganz maßgeblich prägte, heute aber im Vergleich zur Größe anderer Branchen keine dominante Rolle mehr spielt. Plauen ist mit rund 68.000 Bewohnern die fünftgrößte Stadt Sachsens und Metropole der Ferienregion Vogtland.

Die Einwohnerzahl sank um ca. 6000 seit der Wende. Letztere erhielt ganz maßgeblich die entscheidenenden Impulse durch die Aktivitäten der Plauener Bürger im Jahre 1989. In der Stadt fanden u.a. die ersten Großdemonstrationen - noch vor denen in Leipzig und und Berlin - statt.

Plauen ist das Oberzentrum in Westsachsen und Besuchermagnet für die angrenzenden Regionen Oberfranken, Ost-Thüringen und Nordwestböhmen. Neben einem umfangreichen Kunst- und Kulturangebot, erwartet die Besucher der reizvolle Kontrast romantischer Altstadtgassen und moderner Architektur.

Zahlreiche kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen sowie attraktive Einkaufsmöglichkeiten in der großzügig vor mehr als 100 Jahren angelegten Stadt bereichern die Attraktivität. Zu nennen ist hier beispielsweise das Jahrhunderte alte Gemäuer des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Kultur- und Kommunikationszentrums Malzhaus, welches wieder in altem Glanz erstrahlt.

Architektonische Leckerbissen aus der Gründerzeit, viele davon im Jugendstil, gibt es verteilt über die ganze Stadt. Die wunderschönen Häuser im Stadtkern sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass in Plauen früher sehr wohlhabende Kaufleute gelebt
haben. Unter den zahlreichen Kirchen lohnt insbesondere ein Besuch der 1122 erbauten Johanniskirche im Zentrum.

Für Besucher interessant sind das Theater der Stadt, das Vogtlandmuseum sowie die historische Schaustickerei und das Spitzenmuseum. Letzteres umgarnt die Besucher mit zarten Gebilden aus Plauener Spitze.

In der Stadt sind ferner drei Galerien, ein Berufsschulzentrum, eine private Fachhochschule, eine Staatliche Studienakademie und seit 2008 eine Außenstelle der Westböhmischen Universität Pilsen zu finden. Das Bild der Vogtlandmetropole wird auch durch die seit 1894 verkehrende Straßenbahn geprägt.

Laut Stadtverwaltung hat sich Plauen "von der grauen Maus in Grenznähe zu Bayern" zur "blühenden Stadt in der Mitte Europas" entwickelt. Tatsächlich kommen Menschen aus dem nahen Franken nicht nur zum Einkaufen. Jedes Wochenende genießen zahlreiche Jugendliche aus dem umliegenden Vogtland und aus Hof in Bayern das Plauener Nachtleben.

Stadtrundgänge und geführte Museumsbesuche vermittelt die Tourist-Information Plauen (Tel.: 03741-2911027; www.plauen.de, touristinfo@plauen.de )


Gegenwart - Plauener Spitze ® - Modespitze GmbH


Plauener Spitze ® steht heute weniger für eine bestimmte Art der Spitze, sondern fungiert vorrangig als Qualitätssiegel und Premium-Marke.

In der Plauener Manufaktur der Modespitze GmbH entstehen für anspruchsvolle Kunden – vorwiegend in Europa, Übersee und Asien – exklusive Heimtextilien, gefertigt aus hochwertigen Spitzen und Stickereien. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen zahlreiche Markenlabel und Modedesigner mit Accessoires für Oberbekleidung, Nachtwäsche, Lingerie und Haute Couture.

Im Unternehmen werden zur Fertigung der Plauener Spitze ® bis heute alle Arbeitsschritte vom Entwurf über Musterung und Stickprozess bis zum aufwendigen Handarbeitsanteil selbst erbracht. Insbesondere die Handwickeltechnik, ein manuelles Verfahren zum stickgleichen Verbinden von Einzelteilen aus purer gestickter Spitze (auch Ätzspitze, Luftspitze oder Guipure-Spitze genannt), garantiert bis heute die Umsetzung von außergewöhnlich anspruchsvollen Designierungen sowie eine unverwechselbare Qualität.

Alle dabei verwendeten Konfektionsstoffe stammen aus Deutschland, Stickmaterialien aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Impressionen aus dem Geschäftsbereich Mode 2012

Wichtige Etappen

Die wichtigsten Etappen des Aufstiegs:

Um 1780
Das Stickereigewerbe kommt im Vogtland in Form der so genannten Ausnäharbeit oder Tambourstickerei auf. Kaufleute schicken feine ostindische Tuche nach Plauen, um sie dort besticken zu lassen.

Nach 1810 Die Plattstichstickerei, ausgeführt mit der Nähnadel, verbreitet sich.

1828 In Plauen und weiten Teilen des Vogtlandes beschäftigen sich bereits über 2000 Menschen mit der Handstickerei. Sie wird zu einer neuen Haupterwerbsquelle.

1836 beginnen in Plauen erste Versuche auf Handstickmaschinen, um die steigende Nachfrage nach bestickten Musselinen und Batisten besser befriedigen zu können.

1858 Die Plauener Firma Schnorr und Steinhäuser nimmt zwei funktionstüchtige Handstickmaschinen in Betrieb und leitet damit die industrielle Revolution für die Plauener Stickerei- und Weißwarenindustrie ein. Der Grundstein für eine neue Industrie, die Maschinenstickerei ist gelegt.

1872 Das Produktionspotential ist in nur fünf Jahren explosionsartig gestiegen. Plauen zählt mittlerweile 239 Stickereibetriebe mit 907 Handstickmaschinen.

1881 Dem Plauener Anton Falke gelingt als technologische Weltneuheit die Herstellung maschinengestickter Tüllspitze auf Handstickmaschinen - Ausgangspunkt für die spätere Bezeichnung Plauener Spitze.

1883 In Plauen werden Schiffchenstickmaschinen aufgestellt. Dadurch gelingt erstmalig die Fertigung der sog. Luftspitze (auch Ätzspitze genannt).

1889 Die Luftspitze tritt entscheidend hervor und wird zusammen mit der Tüllspitze unter dem Namen Plauener Spitze insbesondere durch das Wirken des Stickereifabrikanten Theodor Bickel weltbekannt.

1900 Auf der ersten Weltausstellung in Paris wird Plauener Spitze mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

1912 Die Plauener Spitze steht im Zenit ihrer Blütezeit. Insgesamt 16.000 Stickmaschinen stehen für sie im Einsatz. In Plauen leben 128.014 Einwohner.

Impressionen aus dem Geschäftsbereich Mode

Lizenz-Informationen zum Markenzeichen

seit 1890

MADE IN GERMANY

Plauener Spitze ® ist ein weltweit eingetragenes und geschütztes Markenzeichen. Es garantiert dem Kunden außergewöhnliche Qualitätskriterien sowie die Herstellung in der Plauener Region.

Als Markenmitinhaber gestattet die Modespitze Plauen GmbH ihren gewerblichen Kunden die produktbezogene Verwendung des Warenzeichens.

Die Lizenzberechtigung wird ausschließlich zum produktbezogenen Verkauf der Erzeugnisse der Modespitze Plauen GmbH an Händler und Einzelhändler weitergegeben.

Stickereierzeugnisse von nicht lizenzberechtigten Herstellern sind nicht zur Kennzeichnung und Werbung mit dem Warenzeichen berechtigt und dürfen auch nicht mit der Marke Plauener Spitze ® in Verbindung gebracht werden.

Ähnliche Formulierungen, Namenszusätze, Umschreibungen und andere Bezeichnungen, die geeignet sind, mit der Marke Plauener Spitze ® in Verbindung gebracht zu werden, sind nicht gestattet. Geschützt ist der Schriftzug "Plauener Spitze" unabhängig von der verwendeten Schriftart oder der gestalterischen Umsetzung im Einzelfall

Verstöße gegen das Markenrecht werden durch Abmahnungen des nicht lizenzberechtigten Herstellers sowie des Verkäufers geahndet.

Der Lizenzinhaber ist berechtigt, im einstweiligen Markenrechtsverfahren
- die Betroffene Produkte (direkt oder assoziiert beworben)
- sowie alle Werbematerialien (Kataloge und andere Medien)
vom Markt zu nehmen und einzuziehen.

Er kann ferner verlangen:
- eine öffentliche Unterlassungserklärung auf Seiten des Händlers und/ oder Verkäufers,
- Geldersatz in geschätzter Höhe als Schadenersatz für vermeintlich entgangene Gewinne aus der nicht produktbezogenen Werbung mit dem Warenzeichen bzw. den Verkauf oder Weiterverkauf von Plagiaten.

Allein die Anwaltskosten für vorgerichtliche Abmahnungen wegen Markenrechtsverletzung (z. B. Unterlassungsanspruch) können im Einzelfall bis zu 2000 € betragen.

Sofern Sie Fragen zur Verwendung unseres Warenzeichens sowie der produktbezogenen Werbung haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Impressionen aus dem Geschäftsbereich Mode

"150 Jahre 1. Stickmaschine in Plauen"

Festvortrag von Herrn Gerd Naumann:
"Fedor Schnorr und Kontinuitäten in der Plauener Geschichte"

(gehalten am 16. Juni 2007 im Rahmen des 48. Plauener Spitzenfestes anlässlich des 150. Jahrestages der Einführung der Maschinenstickerei in Plauen und dem Vogtland)

EINLEITUNG

Aus historischem Blickwinkel betrachtet wird das Jahr 2007 von zwei für die Geschichte der Stadt Plauen bedeutsame, untrennbar mit einander verbunden Jubiläen beherrscht: Am 27. Oktober 2007 wird sich die Einführung der Maschinenstickerei durch Schnorr - das zweifellos folgenreichste Ereignis der Industrialisierung in Plauen und dem sächsischen Vogtland - zum 150. Male jähren.

Bereits am 1. Januar 2007 jährte sich ein anderes Ereignis, das Anlass zum Feiern wie zum Nachdenken gab: Ein halbes Jahrhundert nach der herausragenden, wirtschaftlich weittragenden Initiative Schnorrs schloss Plauen mit der vor 100 Jahren per sächsischem Landesgesetz gewährten Kreisfreiheit zur ersten Garnitur sächsischer Städte auf, denn es teilte von nun an mit Dresden, Leipzig und Chemnitz das Privileg der wohl höchsten und vollkommensten Form kommunaler Selbstverwaltung und -bestimmung.

Der 1907 vollzogene Sprung Plauens mitten hinein in die Spitze der sächsischen Städte bezog seine Energie natürlich in erster Linie aus den Erfolgen der in Blüte stehenden Plauener und vogtländischen Spitzen- und Stickereiindustrie; er markierte jedoch zugleich den Höhepunkt einer mehrhundertjährigen, wechselvollen Geschichte und Tradition textiler Fertigung in Plauen, ohne deren Vorleistungen die stürmische Entwicklung zur Großstadt völlig undenkbar gewesen wäre.

Bei der Betrachtung dieser Geschichte fallen zwei wesentliche Kontinuitäten auf: Das wechselvolle Auf und Ab in der Entwicklung und das Wirken einer kleinen Gruppe überragender Unternehmerpersönlichkeiten, die durch Einführung auswärtiger Produktionsmittel und -verfahren in das Vogtland wesentlich die regionale Produktivkraftentwicklung befördert haben. In die Reihe der Schild, der Neumeister und der Krause gehört auch Fedor Schnorr.

Der Boden indes, auf dem sie ihre Wirksamkeit zu entfalten vermochten, war von ganz besonderer Konsistenz ...


EIN RÜCKBLICK IN DIE INDUSTRIELLE VERGANGENHEI

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen, wo Spinnen und Weben fast ausschließlich für den Eigenbedarf betrieben wurden, produzierte man in Westsachsen sehr frühzeitig für entfernte Märkte. Das Fehlen der Leibeigenschaft im Gebiet der ostmitteldeutschen Grundherrschaft ermöglichte dies. Teile der Bevölkerung konnten sich als formaljuristisch freie (d. h. nicht erbuntertänige) kleine Warenproduzenten der gewerblichen textilen Fertigung teilweise - im Nebenerwerb - oder auch ganz zuwenden. Das Verlagssystem erschloss bereits in der frühen Neuzeit Märkte für vogtländische Produkte und stimulierte die Weiterentwicklung der Textilgewerbe.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts setzte in Plauen die Baumwollverarbeitung ein, die das gewerbliche Erscheinungsbild von Stadt und Region für die folgenden fast 350 Jahre nachhaltig prägten sollte. Hochwertige Handspinnerei und -weberei und die ebenso virtuos beherrschten Veredelungstechniken des Färbens, Bleichens und des Textildruckes auf Kattun ließen Plauen und das Vogtland zu einem textilen Erzeugungsstandort von europäischem Rang mit weltweiten Handelsverbindungen werden. Vor allem in der Zeit zwischen Siebenjährigem Krieg und Französischer Revolution erlebte das vogtländische Baumwollgewerbe eine einzigartige Blüte, die als Goldene Jahre in die Annalen eingegangen ist. Noch heute legen die ehemaligen Kaufherrenhäuser in der Nobelstraße beredtes Zeugnis davon ab.

In der Zusammenschau erscheint die eben skizzierte Entwicklung geradlinig und regelrecht komplikationsfrei. Dem war beileibe nicht so. Wirtschaftliche Blütezeiten und wirtschaftliche Tiefstände wechselten einander ab. Es war jedoch eine markante Kontinuität in der Plauener Wirtschaftsgeschichte, dass im Angesicht drohender oder akuter Krisen stets Persönlichkeiten bereitstanden, um Auswege aus misslichen Lagen zu suchten und zu finden.

JOHANN FRIEDRICH SCHILD

Ein Mann namens Schnorr wird dereinst zu ihnen gehören, doch Geduld, zunächst einmal soll von Johann Friedrich Schild die Rede sein, der als Organisator und Unternehmer großen Stils an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhunderts, als der Absatz der traditionellen Plauener Produkte - der Schlöre und Flöre - stockte, mit seinem Wirken das Baumwollgewerbe im Vogtland revolutionierte. Nach dem Zerfall der Leipziger Großhandelsfirma ZÖLLNER & KÜSTER, für die er in Plauen tätig gewesen war, siedelte der aus Zeitz stammende Schild 1701 in die Stadt an der Elster um und nahm - mit einem landesherrlichen Privileg von Herzog Moritz zu Zeitz ausgestattet - das wirtschaftliche Zepter in die Hand. Er stellte das althergebrachte Warensortiment auf den Kopf, führte neue Produkte ein und betrieb - mit bleibendem Erfolg - die Vervollkommnung der herkömmlichen und die Einführung neuer Fertigungsverfahren.

JOHANN AUGUST NEUMEISTER

Rund 50 Jahre später, als ein deutlicher Rückgang der internationalen Nachfrage nach gewebter, herkömmlich veredelter Ware zu verzeichnen war, bewog dies die acht unternehmendsten Plauener Baumwollwarenhändler sich zu verbünden - treffender gesagt, sich zu verschwören - , um den Textildruck auf Baumwolle auch im Vogtland einzuführen.

Die von ihnen gegründete Firma „Facilides & Co.“ und der Plauener Stadtrat schlugen nach dem Scheitern von Druckversuchen eigener Schön- und Schwarzfärber gemeinsam einen anderen Weg ein, um den Kattundruck in der Region anzusiedeln. Gemeinsam schufen sie Bedingungen, die den Nürnberger Kattundrucker Johann August Neumeister dazu veranlassten, 1754 der süddeutschen Handelsmetropole
den Rücken zu kehren und unter Mitnahme des begehrten Kattundruck-Know-Hows und einiger Gehilfen - Drucker und Formenschneider - sich in Plauen niederzulassen.

Was waren das für verlockende Bedingungen?! Der Stadtrat übereignete ihm kostenlos das leer gezogene Gebäude des ehemaligen Kuttelhofes (des städtischen Vieh- und Schlachthofes) am Mühlgraben gegenüber der oberen Stadtmühle und gewährte einen Vorschuss für die Errichtung
der Fabrikationsanlagen. Die Schleierherren ihrerseits verpflichteten sich, eine vereinbarte Menge Baumwollwaren zu garantierten Preisen bedrucken zu lassen. Neumeister war auf 15 Jahre von allen Abgaben befreit und erhielt das Privileg, als einziger im Vogtland Kattune bedrucken zu dürfen.

1755 gründete Neumeister mit der Plauischen Kattun-Druckerei, der eine Färberei angeschlossen war, ein Unternehmen, das eine überaus erfolgreiche und stabile Entwicklung nahm. Besonders während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) waren große Umsätze zu verzeichnen, weil Neumeister „ein besonders gutes Schwarz und ein vorzügliches Grün“ herzustellen vermochte, mit denen Uniformstoffe gefärbt wurden. Von der Leistungsfähigkeit des florierenden Unternehmens zeugt am prägnantesten die Wertentwicklung der Societäts-Anteile: 1761 kostete ein Zehntelanteil 40 Taler. 1776, noch vor Errichtung des Neubaues am Mühlgraben, kostete der selbe Anteil 3.500 Taler; dies bedeutete eine Wertsteigerung auf das sage und schreibe 88-fache.

Ende der 1780er Jahre wetterleuchtete es: Frankreich und Österreich begannen zum Schutz und zur Förderung der eigenen Gewerbe hohe Schutzzölle zu erheben. Russisch-türkische Unruhen und später die militärischen Vorstöße Napoleons nach Ägypten schnitten den vogtländischen Baumwollwarenhandel von einem wichtigen Teilmarkt - namentlich Vorderasien - ab. Diese weitab stattfindenden Ereignisse vermittelten in Plauen die Erfahrung, dass in dem stark exportorientierten Gewerbe „die Auswirkungen einer irgendwo auf der Welt abgefeuerten
Kanonenkugel zu spüren sind”. (1)

HANDARBEIT CONTRA MASCHINENARBEIT - I. Teil

In dem selben zeitlichen Intervall, in dem das vogtländische Baumwollgewerbe seine höchste Blüte erreichte, schuf die industrielle Revolution in England die Archetypen der Fabrik und des Fabrikarbeiters und erzeugte einen ungeheuren technologischen wie auch arbeitsorganisatorischen Vorsprung gegenüber dem Vogtland.

Um die Wende vom 18. zum 19. Jh. trat das vogtländische Baumwollgewerbe - insbesondere die Spinnerei mit ihren etwa 10.000 dezentral Beschäftigten - in einen für sie aussichtslosen Wettbewerb auf europäischer Bühne ein, den sie auch unter Anspannung aller Kräfte nicht für sich entscheiden konnte: Den Wettbewerb zwischen Hand- und Maschinenarbeit, zwischen modernen kapitalistischen Produktivkräften und spätfeudal-zünftig organisiertem gewerblichen Leben. In der Kapitalkraft, in der Anlagefähigkeit und -bereitschaft des Kapitals zeigte sich das Vogtland England gegenüber dramatisch unterlegen, was trotz aller Rettungsversuche zum Niedergang der Handspinnerei führte und sich ferner in der verhältnismäßig späten Mechanisierung der Weberei und der Veredelung dokumentieren sollte.

Um 1800 hatte England das Baumwollwarengeschäft im Wesentlichen erobert, das Vogtland hingegen geriet in eine Krise, die ihren Tiefpunkt erst im Jahrzehnt nach dem Ende der Napoleonischen Ära erreichte. Deren Ausmaß wird deutlich, wenn man bedenkt, dass allein in der Stadt Plauen um 1800 bei einer Bevölkerungszahl von reichlich 5.700 insgesamt fast 2.300 Personen im Baumwollgewerbe tätig waren - ca. 40% aller Einwohner! Faktisch lebte die ganze Stadt von der Verarbeitung von Baumwolle und dem Verkauf von Baumwollwaren.

Im besonders schweren Krisenjahr 1817, als zum wirtschaftlichen Tiefstand auch noch eine durch Missernte ausgelöste Hungersnot hinzukam, und es deshalb für das schlichte Überleben der Hilfeleistung des sächsischen Hofes bedurfte, registrierte man im westerzgebirgischen Schneeberg die Geburt und Taufe eines Knaben, dem der Name Vetor (2) gegeben worden war.


CAROLINE MARIE WILHELMINA UND CARL GOTTLOB KRAUSE

Die im November 1806 verhängte Kontinentalsperre verschaffte den Textilgewerben im verbündeten Sachsen - auch dem vogtländischen - eine Atempause. Sie lieferten den Rahmen für technische Verbesserungen und
für die Einführung neu Veredlungsverfahren. Einen besonderen
Beitrag zur Rettung des Baumwollgewerbes, insbesondere der Handweberei, leistete das Ehepaar Krause, Caroline Marie Wilhelmina3 (*1.2.1780, 11.3.1845) und Carl Gottlob (*26.8.1773, 4.1.1844). Die gebildete und musikliebende Tochter des Jenaer Diakons und Theologieprofessors Dr. Johann Wilhelm Schmidt, fand Zugang zum aufgeklärten Weimarer Hof, wo sie die Fähigkeit erwarb, feine Handarbeiten vor allem in französischem Lang- und Plattstich anzufertigen. Die Bekanntschaft des Plauener Kaufmanns Krause, mit dem sie am 8. November 1802 die Ehe schloss, mag davon begünstigt worden sein, dass dessen Bruder die Nachfolge Herders als Generalsuperintendent in Weimar angetreten hatte.

Um 1810 brachte C. G. Krause erstmals kunstvolle Plattstich-Stickereien seiner Gattin zum Verkauf. Indem das Ehepaar Krause erfolgreich einen höfischen Zeitvertreib zum rettenden Broterwerb machte, initialisierte es die Etablierung der Stickerei als Nachfolgegewerbe der niedergegangenen Handspinnerei, wodurch Tausende weiblicher Arbeitskräfte in Plauen und dem Vogtland wieder aktiviert wurden. Angesichts des kommerziellen Erfolgs der neuen Artikel adaptierte bald das von englischer Konkurrenz bedrängte und gebeutelte vogtländische Baumwollgewerbe dieses Veredlungsverfahren, das für einen längeren Zeitraum die Handweberei noch einmal kräftig belebte und darüber hinaus zu einer Hauptwurzel der späteren Spitzen- und Stickereiindustrie wurde.


GEWERBEFREIHEIT UND MODERNISIERUNG IM BAUMWOLLGEWERBE

Mit dem Einzug der industriellen Revolution (4) im sächsischen Textilgewerbe fanden seit den 1830er Jahren auch im Vogtland moderne Produktionsverfahren vor allem in der Handweberei und Ausrüstungsgewerbe Eingang. Als sich die modernisierte Handweberei mit der Handstickerei zur Vogtländischen Weißwarenindustrie verband, erlebten Plauen und das Vogtland wieder einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Als mit Aufhebung des alten Innungsrechts 1843 gleichsam die letzten Reglementierungen für die Erzeugung von Baumwollwaren fielen, und damit gut 18 Jahre vor Erlass der Sächsischen Gewerbeordnung faktisch Gewerbefreiheit im vogtländischen Baumwollgewerbe herrschte, gewann die vom sächsischen Staat geförderte Modernisierung der Produktivkräfte erheblich an Schwung. Mit den aus den guten alten Musseline-Zeiten herübergeretteten Vermögen hatte so mancher Unternehmer einen Neustart versucht, Böhler und Gössel waren die ersten Plauener Unternehmer, die in den 1840er Jahren zum Fabrikbetrieb übergingen und auch ein Mann namens Schnorr wird 1845 in Plauen ein Weißwarenunternehmen gründen.


HANDARBEIT CONTRA MASCHINENARBEIT - II. Teil

Hervorgerufen durch beständiges Interesse für „Vogtländische Weißwaren“ und begünstigt vom Beitritt Sachsens zum Deutschen Zollverein (1834) erlangte das Vogtland mit dem Zentrum Plauen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine annähernde Monopolstellung in Deutschland in dieser textilen Spezialität.

Auf dem Höhepunkt der vogtländischen Handstickerei gelang es Franz Elysäus Rittmeyer und Franz Anton Vogler in der weitgehend vom deutschen Markt verdrängten Schweiz, die 1828 von Josua Heilmann entwickelte Handstickmaschine soweit technisch zu verbessern, dass marktfähige Ware darauf hergestellt werden konnte.


FEDOR SCHNORR

Um 1850 entstanden in der Ost-Schweiz zahlreiche Handmaschinen-Stickereibetriebe, deren Erzeugnisse guten Absatz fanden, weil sie in großen Mengen und weitaus billiger als von den Handstickern des Vogtlandes hergestellt werden konnten. Das Desaster der Handspinnerei um 1800 war allenthalben noch gut in Erinnerung, als bereits zum zweiten Mal innerhalb nur eines halben Jahrhunderts Plauen und das Vogtland Gefahr liefen, im Wettbewerb zwischen Hand- und Maschinenarbeit das Nachsehen zu haben. Da sich das Plauener Textilgewerbe neben der Weberei seit 1810 so stark auf die Handstickerei festgelegt hatte, musste es in den Besitz der neuen Maschine kommen, wenn es technologisch nicht den Anschluss verlieren wollte. Es war der Plauener Kaufmann Fedor Schnorr, Mitinhaber des seinerzeit bedeutenden Stickereigeschäftes SCHNORR & STEINHÄUSER, der dieser existenziellen Bedrohung der gesamten Weißwarenbranche mit unternehmerischem Weitblick und Wagemut begegnete.

Unter dem Eindruck der Weltausstellung 1855 in Paris - auf der Schnorr die neuen schweizerischen Maschinen besichtigt hatte - beauftragte dieser nach dem Scheitern aller Versuche legal an die begehrten Maschine heranzukommen den an der Chemnitzer Werkmeisterschule studierenden Albert Voigt - später wird er die Maschinenbauanstalten in Kändler und Kappel gründen und sich zum leistungsfähigen Lieferanten der Stickereibranche entwickeln - mit der Beschaffung einiger Schweizer Stickmaschinen, um diese in Plauen aufzustellen. Dies geschah unter Vermittlung von Friedrich Kohl, dem ehemaligen Nachbarn aus der Bleichgasse, den ihm der glückliche Zufall in Paris über den Weg geschickt und dem er seine Sorgen anvertraut hatte. Der zum Professor an der Kgl. Mechanischen Baugewerken- und Werkmeisterschule zu Chemnitz avancierte Kohl hatte Hilfe zugesagt und Wort gehalten. Voigt, dem sein
Vertrauen galt, wurde zum Vertrauten. Dem gelang 1857 in der Maschinenfabrik Burkhard in St. Fiden (St. Gallen) zwei der begehrten Maschinen zu erwerben. Am 27. Oktober 1857 trafen die in Kisten verpackten Schätze, die Voigt bei Nacht und Nebel über den Bodensee transportiert hatte, wohlbehalten in Plauen ein. Der aus Wetzikon in der Schweiz stammende Stickmaschinen-Techniker Johann Conrad Dietrich stellte diese ersten Stickmaschinen auf sächsischem Boden gemeinsam mit Albert Voigt in der SCHNORR- STEINHÄUSERSCHEN FABRIK an der Hofwiesenstraße auf. Bereits am 2. Januar 1858 konnte mit dem ebenfalls aus der Schweiz stammenden Stickmeister Friedrich Roth am Panthographen die Fertigung aufgenommen werden.

Das Schweizer Monopol war damit gebrochen, im sächsischen Vogtland begann die Ära der mechanischen Stickerei und Fedor Schnorr war als Schrittmacher einer
industriellen Notwendigkeit ihr Begründer. Durch Schnorrs Tatkraft wurde in Sachsen die Entstehung einer neuen Industrie möglich, die eine ungeahnte Blüte erlebte und Weltgeltung erlangte. Die mechanische Stickerei breitete sich über das gesamte sächsische Vogtland aus,
verdrängte nach und nach die Weberei als textilen Haupterwerbszweig und entwickelte sich zur entscheidenden Grundlage für die maschinelle Fertigung von Spitzen (ab 1881). Der anhaltende Aufschwung der Branche löste die Entwicklung Plauens zur Großstadt aus und trug sie bis zum 1. Weltkrieg.

So lässt sich heute die damalige Entwicklung rückblickend bewerten. Wie aber sahen es die Zeitgenossen? Lassen wir Louis Bein, den Nestor der Wirtschaftsgeschichtsschreibung über das Vogtland zu Wort kommen: Mit der Einführung der Stickmaschinen habe dieser Industrielle (Schnorr - GN) sich ein um die gesamte vogtländische Industrie nicht hoch genug anzuschlagendes Verdienst erworben, wie es die folgenden Zeiten bekunden. Wenn auch auf diesem Gebiete die Maschine über die Handarbeit einen Sieg davontrug [...], so brachte sie jedoch [...] durch den ungeahnten Aufschwung eine nicht allein ausgleichende, sondern erhöht segensreiche Wirkung hervor. Mit der Entwicklung der Maschinenstickerei“, so die Bewertung Beins, „beginnt eine neue Epoche der vogtländischen Weißwarenindustrie.“ (5)


WER WAR FEDOR SCHNORR ?

Fedor Schnorr, der Kaufmann und Unternehmer, erste Kommerzienrat des Vogtlandes (1886) und Ritter wird am 10.5.1817 in Schneeberg geboren. Als er am 19.1.1896 in Plauen hoch geehrt stirbt, hinterlässt er einen Sohn (Ernst William), eine Tochter (Hedwig Charlotte) und 4 Enkel. Seine Frau Hedwig hatte er um 21 Jahre überlebt, ebenso zwei Söhne (Louis Alexander und Otto).

Was ist über seine Herkunft und Entwicklung bekannt? Fedors Mutter Juliana (Julie) Carolina, erblickt als 3. Tochter des Johann August Nicolai, seines Zeichens „Beysitzer des Hoch- und Wohlweisen Raths zu Schneeberg, der auch Kauf- und Handelsmann war, 1782 das Licht der Welt. Julie heiratet den 1776 geborenen Christian Friedrich Schnorr, „angesehener Kauf- und Handelsmann“ zu Schneeberg. Als dieser nur 37jährig am 19. Dezember 1813 stirbt, hinterlässt er ihr 5 Kinder. (6)

Als Fedors leiblicher Vater kommt jener Christian Friedrich Schnorr also nicht in Betracht, wenngleich ihn Fedor unter der Rubrik „Eltern des Bräutigams“ 1845 im Trauregister 7 der Plauener St. Johanniskirche eintragen lässt. Tatsache ist, Fedor wird unehelich geboren; sein leiblicher Vater ist der aus Bilitz stammende Handlungsdiener Eduard Liebert, welcher außer der Eintragung im Taufbuch der Ev. luth. Kirchgemeinde St. Wolfgang zu Schneeberg urkundlich nie wieder in Erscheinung treten wird. Fedor, der eigentlich Nicolai hätte heißen müssen, „nennt sich Schnorr“, wie ein 1837 vorgenommener Eintrag im Taufbuch vermerkt.

Hinweise auf eine Adoption oder eine weitere Heirat der Mutter waren nicht zu finden. Die Tatsache, dass Fedor Anfang der 1840er Jahre als Kaufmann zu Schneeberg in Erscheinung tritt, spricht für gesicherte familiäre Verhältnisse und eine gründliche Ausbildung, die man ihm angedeihen ließ.
Die anhaltende Konjunktur der Vogtländischen Weißwarenindustrie führt Kaufmann Schnorr 1844 nach Plauen. Im April selben Jahres erwirbt er das Bürgerrecht. Am 19. Januar 1845 heiratet er Hedwig, die Tochter des Advokaten Dr. Johann Adolf Steinhäuser (Gerichtsdirektor und Rechtskonsultant) (8) und findet damit Aufnahme in den Kreis der alten Plauener Familien. Vielseitige und engagierte Teilhabe am öffentlichen Leben - u. a. als Zugführer der Bürgerwehr - verschaffen Schnorr schnell Ansehen und Einfluss. Gemeinsam mit seinem Schwager Gustav Steinhäuser gründet Schnorr 1845 die Firma SCHNORR & STEINHÄUSER („STICKEREIEN-FABRIK-HDLG.“), die eine erfolgreiche Entwicklung nimmt und nach Inbetriebnahme der ersten Stickmaschinen kräftig wächst. Indiz dafür ist die mehrfache Erweiterung der Fabrikationsanlagen an der Hofwiesenstraße, die ihren krönenden Abschluss in der Errichtung eines repräsentativen Wohn- und Geschäftshauses findet, das leider im 2. Weltkrieg vollständig durch Bomben zerstört wird.

Bleibende Verdienste erwirbt sich Fedor Schnorr um die Errichtung der Plauener Handelsschule. Am 22. März 1858 gehört er zu den Akteuren einer öffentlichen Versammlung des Plauener Gewerbevereines, auf der „brennende Fragen der Plauener Wirtschaft“ erörtert werden, darunter auch die Errichtung einer Handelschule. Ende März 1858 ist Schnorr eines von sieben Mitgliedern eines „provisorischen Komitees“ zur Gründung einer Webschule sowie einer Handelsschule. Ab Anfang August 1858 beteiligt er sich als Mitglied des „Komitees“ (später Handelsschulvorstand) an der Ausarbeitung der Satzung für die künftige Bildungseinrichtung. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Handelsschulvereins (1874-1892) setzt
sich Schnorr für den Ausbau der Schule ein.

Aus der Firma SCHNORR & STEINHÄUSER war in den 1870er Jahren die Firma SCHNORR & SÖHNE geworden. Gustav Steinhäuser war ausgeschieden und betrieb nun in seinem Haus am Altmarkt eine Agentur der Reichsbank. Die Firma SCHNORR & SÖHNE feierte am 27. Oktober 1882 ein großes Fest: die 25jährige Wiederkehr des Tages, an dem mit der Ankunft der beiden Schweizer Maschinen die neue Industrie in Plauen eingezogen war. Die Industrie- und Handelskammer schickte ihren Vizepräsidenten. Selbst Sachsens König Albert gratulierte. Nach dem König Johann Schnorr bereits 1868 mit dem Albrechtsorden Erster Klasse dekoriert hatte, ließ man ihm nun von allerhöchster Stelle durch den Herrn Amtshauptmann verkünden, dass er zum ersten Kommerzienrat des Vogtlandes ernannt worden sei. Es war offensichtlich, dass die Öffentlichkeit die Bedeutung, die Schnorrs für die vogtländisch-erzgebirgische Industrie hatte, erkannte und anerkannte.

Mit viel Engagement verwendete sich Fedor Schnorr in der 2. Hälfte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts für die Errichtung einer Industrieschule in Plauen. Er gehörte zu den Wortführern einer Abordnung von Plauener Fabrikanten und Kaufleuten, die in Schulangelegenheiten nach Dresden reiste, um für dieses Vorhaben zu werben. Mit Erfolg: Bei Eröffnung des Landtages 1887/88 forderte die Staatsregierung von den Landständen eine Summe von 537.400 Mark - dies entsprach der vollen Bausumme - für die Errichtung einer Industrieschule sowie eines Schul-Mustersammlungs-Hauses in Plauen und verwies in der Begründung auf die wirtschaftspolitische Direktive, "durch Schulen und Sammlungen die vaterländische Industrie zu heben und zu fördern [...] wenn die Anregung hierzu von der Industrie selbst" (9) ausging.

Noch ehe die Vorlage im Landtag beraten wurde, setzten Plauener Industrielle, Kaufleute und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein deutliches Zeichen des Engagements für die Industrieschule: Nach einem Aufruf und einer von Kommerzienrat Fedor Schnorr einberufenen vorbereitenden Versammlung gründeten sie den VOGTLÄNDISCH-ERZGEBIRGISCHEN INDUSTRIEVEREIN ZU PLAUEN I. VOGTL. So geschehen am 8. Februar 1888.

Fedor Schnorr und seine Generation waren um die Zeit des großen Aufstiegs der von ihnen geschaffenen Industrie zur ewigen Ruhe gegangen. Am 22. Januar 1896 hatte man den 79jährigen Begründer der vogtländischen Maschinenstickerei im Erbbegräbnis seines Hauses an der Mauer des Friedhofs I beigesetzt, wo die übrigen Häupter der großen Plauener Unternehmen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Er selbst hatte den letzten Gipfelsturm seiner Industrie nicht mehr erlebt. Es war ihm ganz im Gegenteil nicht erspart geblieben, am Schicksal seiner eigenen Firma und Familie erkennen zu müssen, wie ungewiss und flüchtig das Glück war, das er mit der Stickmaschine ins Land gebracht hatte. In den frühen 1890er Jahren hatte sich Schnorr krankheitsbedingt aus der Geschäftsleitung der Firma SCHNORR & SÖHNE zurückgezogen; sein Sohn Otto führte sie zunächst unter eigenem Namen fort. Sie verfiel binnen kurzem bis zur völligen Bedeutungslosigkeit, und kurz nach der Jahrhundertwende war sie wie so viele vor und nach ihr aus dem lebendigen Firmenregister verschwunden.


NACHBEMERKUNG

Hundert Jahre nach seinem Tode wurde Fedor Schnorr durch Verleihung seines Namens an eine Straße im Gewerbegebiet Zadera späte Ehre (10) zuteil. Am Ort seines segensreichen Wirkens in der Hofwiesenstraße gehen oder fahren die Bürger und Gäste der Stadt meist achtlos vorüber, weil sich an dem schlichten Bauwerk kein Hinweis auf Schnorr findet. Daran kann sich etwas ändern, wenn das im Aufbau befindliche System der städtischen Informations- und Erinnerungstafeln auch auf Gebiete außerhalb des unmittelbaren Zentrums erweitert wird.

2007, im Jahr seines 190. Geburtstages (10. Mai) und 111. Todestages (19. Januar), führt die Erbbegräbnisstätte der Schnorr am oberen Hauptweg im alten Teil des Friedhofs I, wie die Gräber der Mammen, Bickel, Zschweigert ein trauriges Dornröschendasein. Der Erhaltungszustand der größtenteils unter Denkmalschutz stehenden, einst repräsentativen Grabstätten steht im krassen Gegensatz zu den Verdiensten, die sich die dort ruhenden Männer um die Geschicke der Stadt Plauen und ihrer Industrie erworben haben.


FUSSNOTEN:

(1)
L.O. Hartenstein zitiert in: Wagner, Plauener Textilindustrien im 19. Jahrhundert. S. 50

(2)
Lt. Auszug aus dem Taufbuch der Ev. luth. Kirchgemeinde Dt. Wolfgang zu Schneeberg/ Erzgeb., Jahrgang 1817, Reg. Nr. 83

(3)
Sämtliche biographischen Angaben basieren auf Auskünften des Stadtkirchenamtes der Ev. - Luth. Kirchgemeinde Jena.

(4)
Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der industriellen Revolution in England begann auch in Sachsen die Modernisierung der Produktivkräfte. Das sächsische Vogtland weist die Besonderheit auf, dass sich diese Entwicklung in zwei Phasen vollzog.

(5)
Bein, Louis: Die Industrie des sächsischen Vogtlandes. Wirtschaftsgeschichtliche Studie. 2. Teil. Die Textilindustrie. Leipzig 1884, S. 263.

(6)
Lt. Auszug aus dem Bestattungsbuch der Ev. luth. Kirchgemeinde zu Schneeberg/Erzgeb., Jahrgang 1813, Reg. Nr. 421.

(7)
Lt. Auszug aus dem Trauregister der ev.-luth. Hauptkirche St. Johannis in Plauen i. Vogtl., Jahrgang 1845, Nr. 21.

(8)
Lt. Auszug aus dem Trauregister der e.-luth. Hauptkirche St. Johannis in Plauen i. Vogtl., Jahrgang 1845, Nr. 21.

(9)
Festbericht zum 25-jährigen Bestehen des Vogtländisch-Erzgebirgischen Industrievereins zu Plauen i. V. erstattet vom Vorstand am 27.
März 1913. - Plauen o. J. (1913), S. 2.

(10)
Der „Fall“ Schnorr steht exemplarisch für den Umgang der Stadtgesellschaft mit einem wichtigen Teil ihres Erbes. Auch der in seiner Heimatstadt Jena hoch geehrte Fabrikant Otto Erbert, der sich um die vogtländisch-erzgebirgische Industrie und um die Stadt Plauen außerordentliche Verdienste erworben hat, wurde erst 2007 zum Namensgeber einer Straße im Gewerbegebiet Oberlosa erwählt.




QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS (AUSWAHL):

Bein, Louis: Die Industrie des sächsischen Vogtlandes.

Wirtschaftsgeschichtliche Studie. 2. Teil. Die Textilindustrie. Leipzig 1884.
Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Kreisstadt Plauen i.V. auf die Jahre 1903 und 1904, 1905-1907 sowie 1913. Plauen o.J.

Erhardt,Willy: Das Glück auf der Nadelspitze. Plauen 1995.

Forkel, A. und Zimmermann, O.: Plauener Spitzen und Stickereien. In: Salonblatt - Moderne illustrierte Wochenschrift für Gesellschaft, Theater, Kunst und Sport. 5. Jg. Nr. 18. Dresden 1910.

Fröhlich, H. und Schimmack E.: Ursprung und Entwicklung der Plauener Spitzenindustrie. In: Sächsische Heimatblätter 8/1961.

Glier, Erich: Die sächsische Spitzen- und Stickereiindustrie. Plauen 1932.

Hempel, Albert: Ein Lagenbild der vogtländischen Textilindustrie. Chemnitz 1925.

Naumann, Gerd:
Plauen i.V. 1933-1945. Plauen 1995. Die Plauener Spitzen- und Stickereiindustrie in Vergangenheit und Gegenwart. In:
Sächsische Heimatblätter, 43. Jg., Nr. 4/1997, S. 236-246.
Zur Geschichte des Vogtländisch- Erzgebirgischen Industrievereins zu Plauen i.V. 1888-1949. In: Mitteilungen des Vereins zur Förderung des Plauener Spitzenmuseums e.V., Jahresschrift für das Jahr 1997, Plauen 1998, S. 36-47.

Schuster, Horst: Plauen als Standort der Textilindustrie. Plauen 1937.
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen. 41. Jg. 1913, 42. Jg. 1914/15. Dresden.

Tröger, Otto: Die geschichtliche Entwicklung der vogtländischen Textilindustrie. In: Salonblatt - Moderne illustrierte Wochenschrift für Gesellschaft, Theater, Kunst und Sport. 5. Jg. Nr. 18. Dresden 1910.

Unser Vogtland. Verlag der Dürr’schen Buchhandlung, Leipzig 1913.

Wagner, Irene: Plauener Textilindustrien im 19. Jahrhundert in bedeutenden Firmen. Ungedr. Diss. Leipzig 1943.


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